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In der bunten Welt der Fotografie gibt es Geschichten, die mehr sind als nur Bilder. Eine solche Geschichte erzählt der Fotograf Harald Kirschner, der seit 1981 in einer Maisonette-Wohnung im 15. und 16. Stock eines Punkthochhauses in Grünau lebt. Als die Kirschners ihr zweites Kind erwarteten, wurde ihnen über den Bund Bildender Künstler diese 130 Quadratmeter große Wohnung zugeteilt. Der Antrag war langwierig und dauerte ganze vier Jahre – ein kleines Abenteuer in der damaligen Zeit. Anfangs schien die Lage in Grünau nicht gerade verlockend, die Sorge, vom kulturellen Leben in Leipzig abgeschnitten zu sein, schwebte wie ein dunkler Schatten über den frischgebackenen Bewohnern.

Doch Kirschner entpuppte sich schnell als unermüdlicher Beobachter und Dokumentarist seiner neuen Heimat. Mit einer Dunkelkammer und einem Arbeitsraum im Obergeschoss hat er einen kreativen Rückzugsort geschaffen, in dem er Abzüge und Negative aus über 50 Jahren Fotografie sorgsam aufbewahrt. Seine sozialdokumentarische Fotografie thematisiert gesellschaftliche Fragestellungen und gibt uns einen Einblick in das Leben in Grünau. Besonders in den Anfangsjahren, als die Gegend noch im Aufbau war und als „Schlammhausen“ bekannt war, fing er das Leben mit Gummistiefeln, Matsch und spielenden Kindern auf Baustellen ein. Kirschner wartete oft auf den perfekten Moment für seine Aufnahmen – ein Schnappschuss, der mehr als tausend Worte sagt.

Die Vergangenheit und die Gegenwart Grünaus

Die Erinnerungen an die Frühzeit Grünaus sind für Kirschner nicht nur nostalgisch, sie sind auch Teil seiner Identität. Mit Engagement organisierte er Kinderfeste und kümmerte sich um die Außenanlagen, während er gleichzeitig die Veränderungen in der Nachbarschaft festhielt. Nach dem Mauerfall dokumentierte er weiterhin die Entwicklungen, und seine jüngste Bilderstrecke zeigt Wohnungen in einem kurz vor dem Abriss stehenden Block, den die Anwohner liebevoll „Eiger Nordwand“ nannten. Diese Projekte sind mehr als nur Fotografie; sie sind ein Archiv des Lebens, das in den Straßen und Höfen Grünaus pulsiert.

Aktuell gibt es eine spannende Ausstellung im KOMM-Haus, die Kirschners Arbeiten würdigt und zugleich die Entwicklung des Stadtteils beleuchtet. Am 18. September endet die Ausstellung, die nicht nur Kirschners Fotografien zeigt, sondern auch Ergebnisse einer Forschungsarbeit von Geografie-Studentin Hermine Sprenger zur Plattenbau-Thematik präsentiert. Die Eröffnungsveranstaltung bietet Kirschner die Gelegenheit, über seine Erfahrungen als Fotograf in der DDR zu sprechen und die Hürden, die er überwinden musste, um seine Kunst zu verwirklichen. Eintritt? Kostenlos!

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Ein Blick über den Tellerrand

Interessanterweise passt Kirschners Arbeit in einen breiteren Kontext der sozialdokumentarischen Fotografie in Leipzig. So wird im Zeitgeschichtlichen Forum auch die Ausstellung über den Fotografen Mahmoud Dabdoub gezeigt, der in den 1980er Jahren in der DDR lebte und die Zeit mit seiner Kamera festhielt. Die Parallelen zwischen diesen beiden Fotografen sind unübersehbar. Beide nutzten ihre Kunst, um die Lebensrealität in einem sich wandelnden sozialen Umfeld festzuhalten. Dabdoub, der 1981 nach Leipzig kam, um zu studieren, bringt mit seinen 75 Fotografien eine weitere Perspektive in die Diskussion über das Leben in der DDR.

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Leipzig, mit seiner reichen kulturellen Geschichte und einem dynamischen gegenwärtigen Leben, bietet eine perfekte Kulisse für diese Erzählungen. Der Kulkwitzer See, den Kirschner als das schönste Wasser in Sachsen bezeichnet, ist dabei ein Ort der Erholung und vielleicht auch ein Rückzugsort, an dem sich die Geschichten der Vergangenheit und die Träume für die Zukunft vereinen.