Der Himmelfahrtstag, überall als Feiertag geschätzt, hat in Deutschland eine lange Tradition, die bis ins 4. Jahrhundert zurückreicht. Doch während der religiöse Ursprung – die Himmelfahrt Jesu – in vielen Regionen in den Hintergrund gerückt ist, hat sich in der Gesellschaft etwas ganz anderes etabliert: der Vatertag! Ein Tag, der früher für festliche Prozessionen mit Fackeln und Bannern stand, ist heute vor allem ein Anlass für Männer, um mit Freunden zu feiern, oft mit einem Bollerwagen voll Bier und Proviant. Es ist ein Tag, der den Männern gewidmet ist, fast wie eine Art Feiertag für die Väter. Komischerweise hat sich die Feier über die Jahrhunderte gewandelt, und der geistliche Aspekt ist oft in den Hintergrund geraten.
In Möckern, dieser charmanten Flächengemeinde, findet jedes Jahr eine besondere Feier statt, die die Tradition von Himmelfahrt auf ganz eigene Weise interpretiert. Die „Himmelfahrtsgesellschaft von 1979“ ist die älteste Herrentagsgruppe der Region und hat sich über die Jahre einen festen Platz im Herzen der Gemeinde erobert. Am Himmelfahrtstag 2023 war es wieder soweit: Die Mitglieder dieser einzigartigen Gesellschaft fuhren im Kremser mit 15 Zylindern und zwei PS – sozusagen ein rollendes Denkmal für die Tradition! Bruno Pinkes, ein aktives Mitglied, bestätigte stolz, dass sie bereits ihre 48. Ausfahrt hinter sich gebracht hatten.
Tradition trifft auf moderne Bräuche
Die Tradition, die hier in Möckern gepflegt wird, reicht zurück bis zur Gründung der Gesellschaft, als die Mitglieder noch Pferde und Gespann von der LPG ausliehen, um nach dem Steineauflesen eine Ausfahrt zu wagen. Nach vier Jahren wurde schließlich ihr eigener Kremser gebaut, ausgestattet mit einem Außen-WC, einer Zapfanlage und einer Musikanlage. Das klingt doch nach perfektem Spaß, oder? Früher gab es sogar einen Akkordeonspieler, der nun nicht mehr dabei ist. Heute fahren Matthias Bothin und seine zwei Haflinger die Gruppe, ein echter Oldtimer unter den Kutschfahrern, der lange Zeit von Herbert Dommasch, dem ehemaligen DDR-Meister im Kutschfahren, chauffiert wurde.
Ein besonderer Brauch der Himmelfahrtsgesellschaft ist der Stopp am Friedhof, wo den verstorbenen Himmelfahrtsbrüdern gedacht wird. Eine schöne Geste, die zeigt, dass man die Traditionen auch mit einem Hauch von Ehrfurcht behandelt. Und ganz ehrlich, nur noch vier der ursprünglichen Gründungsmitglieder sind aktiv dabei – das macht die Ausfahrten noch spezieller, wenn man an die Geschichte denkt, die jedes Jahr mit jeder Fahrt erzählt wird. In der Corona-Pandemie gab es nur eine kurze Unterbrechung, als die Kontaktbeschränkungen eine Ausfahrt unmöglich machten.
Ein Tag voller Kontraste
Die Himmelfahrt, die in der Regel auf den sechsten Donnerstag nach Ostern fällt, wird also nicht nur als religiöser Feiertag gefeiert, sondern hat sich auch in einen Tag verwandelt, der von „Männlichkeit“ geprägt ist. In vielen Regionen, besonders im Berliner Raum, unternehmen Männer Ausflüge, oft in Form von „Herrenpartien“, bei denen das Bier selbstverständlich nicht fehlen darf. Die Sicht auf diesen Feiertag hat sich gewandelt; während früher die religiöse Bedeutung im Vordergrund stand, ist heute der Spaß und das Feiern in den Fokus gerückt. Es ist nicht zu leugnen, dass es an Himmelfahrt zu einem Anstieg alkoholbedingter Verkehrsunfälle kommt – ein Umstand, der in den letzten Jahren mehr und mehr in die öffentliche Diskussion gerückt ist.
Die steigende Zahl an Vorfällen, von Böllerwagen voll Bier bis hin zu Straßenkämpfen und Schlägereien, sorgt für ein mulmiges Gefühl bei vielen. Die Deutsche Verkehrswacht und Initiativen wie „Männer gegen Gewalt“ fordern dazu auf, verantwortungsbewusster zu feiern. Manchmal scheint es, als ob der Feiertag ein zweischneidiges Schwert ist. Während er für viele einen Grund zum Feiern bietet, bringt er gleichzeitig auch einige Herausforderungen mit sich.
Doch trotz all dieser Herausforderungen bleibt der Himmelfahrtstag ein fester Bestandteil der deutschen Kultur. Ein Tag, der Tradition, Gemeinschaft und das Feiern des Lebens vereint – und in Möckern ganz besonders zelebriert wird. So lockt die Himmelfahrtsgesellschaft von 1979 Jahr für Jahr zahlreiche Menschen an, um gemeinsam Lieder zu singen, den Kremser durch die Straßen zu fahren und einfach das Leben zu feiern. Es bleibt zu hoffen, dass die Tradition auch in Zukunft so lebendig bleibt!



