Es war ein lauer Freitagabend, und das Wasserfest Thekla im Leipziger Nordosten sollte eigentlich ein Ort der Freude und des Feierns sein. Doch die Stimmung wurde jäh getrübt, als gleich zwei Vorfälle mit Pfefferspray die Besucher in Aufregung versetzten. Um 20.10 Uhr wurden Polizei und Rettungsdienste in die Kiebitzstraße gerufen. Ein 15-Jähriger hatte am Autoscooter-Standort Pfefferspray versprüht und zwei Personen im Alter von 21 und 27 Jahren leicht verletzt. Die Polizei ließ nicht lange auf sich warten und nahm den jungen Sprüher fest.
Doch damit nicht genug: Ein weiterer 15-Jähriger fühlte sich offenbar von einem 27-Jährigen, der ihn ausländerfeindlich beleidigt hatte, so provoziert, dass er ebenfalls zu Reizgas griff. Auch hier leisteten die Rettungskräfte Erste Hilfe. Insgesamt wurden 20 Platzverweise ausgesprochen, während die Polizei Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und ausländerfeindlicher Äußerungen aufnahm. So viel zum vermeintlichen Festspaß! Das Wasserfest, das bis Sonntag im Naturbad Nordost gefeiert wird, ist in seiner 16. Auflage und sollte eigentlich unbeschwertes Vergnügen bieten.
Die Schattenseite von Festen
Die Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf ein besorgniserregendes Phänomen: Die Zahl der Straftaten mit Pfefferspray nimmt allgemein zu. In Baden-Württemberg, zum Beispiel, hat sich die Zahl dieser Delikte in den letzten fünf Jahren nahezu verdoppelt. Im vergangenen Jahr wurden dort 1.282 Straftaten registriert, wobei die meisten als Gewaltdelikte klassifiziert wurden. Über 70 Prozent dieser Fälle betrafen gefährliche Körperverletzungen. Das ist schon ein ziemlicher Brocken, wenn man bedenkt, dass Pfefferspray nicht nur für den Einsatz gegen Tiere, sondern auch als Waffe gegen Menschen verwendet wird – und das kann ernsthafte Folgen haben.
Die Polizei rät grundsätzlich vom Tragen von Pfefferspray ab. Das ist nicht nur ein guter Rat, sondern auch eine Frage der Sicherheit. Denn Pfefferspray kann Atemnot, vorübergehende Erblindung und unangenehmen Juckreiz auf der Haut verursachen. Und es ist nicht nur die Frage, wo man das Spray einsetzt – auch das bloße Mitführen kann rechtliche Konsequenzen haben. In öffentlichen Verkehrsmitteln könnte es als Körperverletzung gewertet werden, und die Strafen können bis zu fünf Jahren Haft reichen.
In Leipzig zeigt sich, dass selbst ein Fest, das eigentlich zum Feiern einladen sollte, schnell in einen Ort der Aggression umschlagen kann. Während draußen die Musik spielt und die Menschen fröhlich tanzen, kann ein unbedachtes Handeln – sei es aus Wut oder aus Trotz – die Atmosphäre vergiften. Es bleibt zu hoffen, dass solche Vorfälle nicht die Vorfreude auf zukünftige Veranstaltungen trüben. Denn nichts ist schöner, als gemeinsam unbeschwerte Stunden zu verbringen – ohne Pfefferspray und ohne Angst.




