Heute ist der 2. Juni 2026 und in Leipzig wird der Internationale Hurentag gefeiert – ein Anlass, der nicht nur die Stadt, sondern auch die Peterskirche in den Mittelpunkt rückt. Diese Veranstaltung hat ihre Wurzeln in einem bemerkenswerten historischen Ereignis: 1975 besetzten 150 Sexarbeiterinnen die Kirche Saint-Nizier in Lyon, um für ihre Rechte und gesellschaftliche Anerkennung zu kämpfen. An diesem Tag wird also nicht nur der Kampf um Sichtbarkeit gewürdigt, sondern auch eine Plattform für Dialoge geschaffen, die oft in unserer Gesellschaft übersehen werden.
Die Veranstaltungsreihe „Huren im Hause des Herrn“ in der Peterskirche, die vom 1. bis 4. Juni 2023 stattfand, bringt eine Fülle an Aktivitäten mit sich. Ausstellungen, Vorträge und Gesprächsformate laden alle Interessierten ein, sich mit dem Thema Sexarbeit auseinanderzusetzen. Organisiert wird das Ganze von einem Bündnis aus Sexarbeitenden, der evangelischen Pfarrerin Christiane Dohrn und Wissenschaftlerinnen. Ein wahres Kaleidoskop an Stimmen, die die Vielfalt und Komplexität des Themas widerspiegeln.
Ein Dialograum für alle
Das Ziel der Reihe ist es, Diskussionen über Prostitution inklusiv zu gestalten und Vorurteile abzubauen. Sexarbeitende fühlen sich oft übergangen, wenn politische Entscheidungen ohne ihre Einbindung getroffen werden – ein Umstand, der sich durch die jahrelangen Kämpfe um Gleichheit und Anerkennung nur allzu gut nachvollziehen lässt. Die Initiative wird unterstützt durch die Leipziger Gruppe, die Teil des Netzwerks „Leipziger Hilfepunkt“ ist. Hierbei handelt es sich um eine Anlaufstelle für Menschen in Notlagen, die seit 15 Jahren besteht und über 180 Teilnehmer umfasst. Ein Sicherheitsnetz, das sowohl Bürger als auch Gäste der Stadt unterstützen soll.
Bürgermeister Heiko Rosenthal unterstreicht die Bedeutung des Hilfepunkts für das Sicherheitsgefühl in Leipzig. Schwimmhallen, Freibäder und Beratungszentren sind als Anlaufstellen gekennzeichnet und mit Ersthelfer ausgebildeten Mitarbeitern ausgestattet. Diese Einrichtungen bieten Unterstützung bei alltäglichen Notfällen, sei es bei Verletzungen oder Orientierungslosigkeit.
Historische Wurzeln und aktuelle Herausforderungen
Die Herausforderungen, mit denen Sexarbeitende konfrontiert sind, sind vielfältig. In der DDR wurde Sexarbeit 1968 gesetzlich verboten und als „asoziales Verhalten“ kriminalisiert. In der Bundesrepublik galt sie lange Zeit als sittenwidrig, was rechtliche Nachteile für die Betroffenen hatte. Es war nicht möglich, Löhne einzuklagen oder Sozialleistungen zu erhalten. Der Weg zur rechtlichen Anerkennung war steinig: 2002 trat das Prostitutionsgesetz in Kraft, das Sexarbeit als Dienstleistung anerkannte und erste Grundlagen für Kranken- und Sozialversicherung schuf. Doch auch nach dem Prostituiertenschutzgesetz von 2017 blieben viele Herausforderungen bestehen. Trotz aller Fortschritte fordern Aktivisten weiterhin gleiche Rechte und die Entkriminalisierung von Sexarbeit.
Die Peterskirche in Leipzig fungiert somit nicht nur als ein Ort des Glaubens, sondern auch als ein Raum, in dem über die Bedürfnisse und Herausforderungen von Sexarbeitenden diskutiert wird. Die Veranstaltungen zielen darauf ab, die Sichtbarkeit und gesellschaftliche Anerkennung von Sexarbeitenden zu fördern und ein Bewusstsein für ihre Anliegen zu schaffen.




