Barrierefreier Zugang am Bahnhof Bad Holzhausen: Ein Kampf um Gleichberechtigung für alle Reisenden
Die Situation am Bahnhof Bad Holzhausen in Preußisch Oldendorf ist alles andere als rosig. Menschen mit eingeschränkter Mobilität haben es hier schwer. Seit Jahren kämpfen die Einwohner für einen barrierefreien Zugang zu den Zügen, doch die Fortschritte sind kaum sichtbar. Die Gründe? Eine niedrige Priorisierung und fehlende finanzielle Mittel stehen dem Umbau im Weg. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass die Deutsche Bahn und die zuständigen Behörden die Sache auf die lange Bank schieben.
Vor etwa einem Jahrzehnt gab es immerhin Gespräche über eine mögliche Verlängerung des Bahnsteigs nach Osten, die eine Rampe hätte ermöglichen können, aber seitdem ist nichts passiert. Die Umbenennung des Bahnhofs von „Holzhausen-Heddinghausen“ in „Bad Holzhausen“ zog sich über mehr als zehn Jahre – das spricht Bände über die bürokratischen Hürden, die die Gemeinde überwinden muss.
Fehlende Barrierefreiheit – Eine große Hürde
Ein weiteres Problem: Der einstige Schrägaufzug, der von den Treppen zu den Gleisen führte, wurde abgebaut, da er von den Anwohnern nie zuverlässig genutzt werden konnte. Jetzt gibt es keine alternative barrierefreie Verbindung. Die Gleise sind nur über eine Unterführung mit steilen Treppen zu erreichen. Für Menschen mit Gehbeeinträchtigungen, Fahrradfahrende oder Reisende mit schwerem Gepäck ist der Zugang fast unmöglich. Karlheinz Stephan und seine Frau, die seit einigen Jahren in Bad Holzhausen leben, setzen sich unermüdlich für einen barrierefreien Bahnhof ein. Gemeinsam mit Anwohnern und lokalen Vertretern mobilisierten sie sich sogar für Dreharbeiten des WDR.
Die Bahn hat allerdings wenig Interesse an einer Modernisierung gezeigt. Mit der Begründung, dass der Bahnhof nur von etwa 230 Reisenden pro Tag genutzt wird, wurde eine barrierefreie Umgestaltung abgelehnt. Stephan kann diese Logik nicht nachvollziehen und merkt an, dass die schlechte Zugänglichkeit vielleicht auch der Grund für die geringe Nutzung ist. Es ist ein Teufelskreis, aus dem die Gemeinde unbedingt ausbrechen möchte.
Politische Unterstützung und Förderinitiativen
Der Bürgermeister von Preußisch Oldendorf, Marko Steiner, ist seit Jahren im Austausch mit der Bahn, um einen Umbau zu erreichen. Er schlägt vor, einen oberirdischen Zugang zu schaffen, da die Gleise ebenerdig zur Straße liegen und somit Platz für eine flach geneigte Rampe vorhanden wäre. Das klingt nach einer guten Idee, aber wird sie auch umgesetzt? Klarheit über Zuständigkeiten, verbindliche Zeitpläne und ein echter politischer Wille fehlen bislang. Die Deutsche Bahn und der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe dürfen sich nicht ständig hinter bürokratischen Verfahren und fehlenden Haushaltsmitteln verstecken.
Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet Deutschland zu einem gleichberechtigten Zugang zu Verkehrsmitteln. Das Grundgesetz verbietet Benachteiligungen aufgrund von Behinderungen. Es ist höchste Zeit, dass diese Rechte auch in Bad Holzhausen Realität werden. Immerhin gibt es positive Beispiele in der Umgebung. Bahnhöfe wie Bohmte und Lemförde zeigen, dass es durchaus Perspektiven für einen barrierefreien Umbau gibt. Und auch andere kleine Bahnhöfe in Deutschland haben ebenerdige Übergänge über die Gleise mit Fußgängerschranken.
Unterdessen gibt es auch Hoffnung durch die „Förderinitiative zur Attraktivitätssteigerung und Barrierefreiheit von Bahnhöfen“ (FABB). Dieses Programm des Bundes fördert den barrierefreien Ausbau und die Modernisierung kleiner und mittlerer Bahnhöfe bis 2027. Vielleicht könnte Bad Holzhausen von dieser Initiative profitieren und endlich die dringend benötigten Umbauten realisieren.
Die Dorfgemeinschaft ist entschlossen, ihre Stimme zu erheben. Es bleibt zu hoffen, dass ihr Engagement die Bahn und die zuständigen Stellen dazu bewegt, den Bahnhof endlich für alle Menschen nutzbar zu machen – nicht nur für jene, die Treppen problemlos bewältigen können. Die Zeit für Veränderungen ist längst überfällig.
