Kirmesteams im Schwalm-Eder-Kreis setzen sich gegen Rechtsextremismus ein
Heute ist der 8.11.2026, und während draußen die Blätter fallen und die kühle Luft nach Herbst riecht, gibt es im Schwalm-Eder-Kreis ein ganz anderes Thema, das die Gemüter erhitzt. Rechtsextremismus ist leider ein Thema, das auch auf unseren Volksfesten nicht mehr fremd ist. Im Gemeindezentrum von Homberg-Holzhausen fand vor kurzem ein Workshop statt, an dem 29 Menschen aus zwölf Kirmesteams teilnahmen. Hier wurde darüber gesprochen, wie man rechtsextreme Vorfälle frühzeitig erkennen und darauf reagieren kann. Manchmal reicht ein Blick, um zu sehen, dass etwas nicht stimmt – und genau darauf wollen die Teams vorbereitet sein.
Die Themen des Workshops waren alles andere als leicht: volksverhetzende Parolen, rassistische Äußerungen und provozierendes Verhalten wurden behandelt. Das Ziel? Ein klarer Handlungsrahmen für die nächsten Volksfeste schaffen. Tom Werner, der im Landkreis für Demokratieförderung zuständig ist, hat betont, dass der Austausch unter den Kirmesteams besonders wichtig ist. Schließlich könnte ein starkes Netzwerk dazu beitragen, mehr Sicherheit zu schaffen, und das ist in Anbetracht der Vorfälle, die zuletzt in der Region stattfanden, dringend nötig.
Ein trauriges Beispiel
Im Juni 2025 fuhr in Neukirchen ein Kirmeswagen mit einem rassistischen Banner mit, das Migranten als „Räuber“ darstellte. Das Ganze nahm eine noch absurderere Wendung, als sich Beteiligte als „Talahons“ verkleideten und Pappmesser in die Höhe hielten. Im September dann, ein weiterer Schock – auf der Kirmes in Niedenstein zeigten sechs Besucher den Hitlergruß. Die Polizei wurde informiert, und die sechs Personen, die sich anscheinend auch noch alkoholisiert zeigten, flüchteten zunächst, wurden aber schnell gefasst. Unter ihnen war ein Mann, der Tattoos mit Hakenkreuz und SS-Runen trug, was die Ermittlungen des Staatsschutzes nach sich zog.
Gegen diese sechs Tatverdächtigen wird wegen Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt. Die Vorfälle zeigen, dass rechtsextreme Jugendliche teilweise sogar in Kirmesvereinen aktiv waren. In Neukirchen wurde erst nachträglich interveniert, nachdem bereits viele Teammitglieder eine rechtsextreme Haltung angenommen hatten. Hier ist es umso wichtiger, dass sich Kirmesteams frühzeitig über ihre Grundwerte und das Grundgesetz klar werden. Die Workshops sollen nicht nur das Bewusstsein schärfen, sondern auch konkrete Reaktionsmöglichkeiten aufzeigen.
Prävention und Zusammenarbeit
Die Workshops bieten eine Plattform, um mögliche Szenarien durchzuspielen und Alarmierungsketten zu etablieren, damit jeder im Kirmesteam weiß, was in Extremsituationen zu tun ist. Leopold Kaiser, Vorsitzender des Kirmesteams Malsfeld, hebt den Austausch unter den Teams als besonders wertvoll hervor. Es geht darum, Lösungen zu entwickeln, um das nächste Kirmesjahr sicherer zu gestalten. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man bedenkt, dass rechtsextreme Vorfälle bis in die frühen 2000er-Jahre zurückreichen und schon damals ein hohes Gewaltpotenzial hatten.
Die Realität ist, dass es keine belastbaren Zahlen zu extremistischen Vorfällen auf Kirmesveranstaltungen gibt, weder für einzelne Landkreise noch für Hessen insgesamt. Doch die Workshops sind ein Zeichen dafür, dass man sich der Problematik stellt und aktiv dagegen angeht. Ein klarer Handlungsrahmen ist nicht nur für die Sicherheit der Kirmesbesucher wichtig, sondern auch für den Erhalt unserer demokratischen Werte, die es zu verteidigen gilt. Vielleicht wird es eines Tages wieder unbeschwertere Kirmesbesuche geben, bei denen der Spaß im Vordergrund steht, ohne dass man sich um solche Themen Sorgen machen muss. Aber bis dahin bleibt es eine Herausforderung, die wir gemeinsam angehen müssen.
