Klimawandel und Apfelernte: Herausforderungen für die Zukunft der Streuobstwiesen in Deutschland
Auf einer Streuobstwiese in Igling, unweit von uns, wurde die Apfelernte in vollem Gange eingefahren. Es war eine schweißtreibende Angelegenheit – das Wetter war uns nicht gerade wohlgesonnen. Zunächst mussten die Helfer die Wiese mähen, um überhaupt einen Zugang zu den saftigen Früchten zu bekommen. Die extreme Hitze und die Trockenheit, die uns diesen Sommer begleiteten, hatten ihre Spuren hinterlassen. Viele Äpfel waren bereits vor der Reife vom Baum gefallen, faulig und wurmstichig, und mussten schnellstens aufgelesen und entsorgt werden. Sonst hätten sie noch die gesunden Bäume gefährden können, denn Pilze und Bakterien lauern immer auf eine Gelegenheit!
Doch die eigentliche Ernte war dann ein Fest der Farben und Geschmäcker. Die Bäume wurden kräftig geschüttelt, während die Helfer die herabfallenden Äpfel in Körbe einsammelten. Dabei kam die Gesprächigkeit nicht zu kurz – „Wie schmeckt der?“ oder „Den probiere ich!“ waren wohl die häufigsten Fragen in dieser Runde. Am Ende des Tages waren es stolze 730 Kilogramm Äpfel, die geerntet wurden. Ein Teil davon wurde bereits zum Saften gebracht, um frischen Apfelsaft von heimischen Streuobstwiesen zu gewinnen. Und natürlich gab es zwischendurch Kaffee und Kuchen, was die Stimmung noch mehr anheizte – schließlich braucht man auch eine kleine Stärkung bei so viel Arbeit!
Herausforderungen für die Streuobstwiesen
Die diesjährige Ernte war jedoch kein Einzelfall. Experten warnen, dass der Klimawandel Streuobstwiesen stark belastet. Hitze und Dürre setzen den Obstbäumen zu, und neue Schädlinge machen ihnen das Leben schwer. In Bayern, so berichtet Prof. Dr. Markus Reinke, lag die Apfelernte 2026 bereits rund 33 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das ist alarmierend! Besonders betroffen sind Äpfel, die normalerweise im August und September reifen. Wegen der Hitze wechseln die Bäume in einen Wassersparmodus – die Früchte werden kleiner, und ein Teil wird vorzeitig abgeworfen. Das ist kein schönes Bild für die Obstbauern.
Die heißen Sommer beschleunigen zudem die Fruchtreife und Zuckerbildung. Das klingt zunächst positiv, doch in Wahrheit verlieren die Äpfel an Lagerfähigkeit. Im Lager fangen sie schneller an zu faulen, was die Lage für die Bauern nicht einfacher macht. Und das ist noch nicht alles – seit 2019 hatten wir gleich vier Dürresommer in Deutschland. Die langfristigen Folgen sind besorgniserregend. Vorzeitiger Blattfall und geringere Photosynthese führen zu weniger Zuwachs und sinkender Vitalität bei den Bäumen. Junge Bäume sind besonders gefährdet – ihre dünne Borke schützt sie nicht vor Sonnenbrand.
Die Zukunft der Streuobstwiesen
Die Herausforderungen sind groß, doch es gibt auch Lichtblicke. Alternative Obstarten wie Quitten, Pfirsiche oder Mispeln könnten in Zukunft stärker angebaut werden. Der Apfelanbau bleibt jedoch wichtig, denn Deutschland ist bereits mit Äpfeln unterversorgt und importiert viele Früchte. Kurze Transportwege sind nicht nur wirtschaftlich, sondern auch klimapolitisch sinnvoll. Es gibt Überlegungen zur regionalen Direktvermarktung, die den Druck durch große Supermarktketten verringern könnte. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung!
Die Pflege von Streuobstwiesen erfordert jedoch intensive Aufmerksamkeit, besonders in Zeiten von Hitze- und Wasserstress. Viele alte Bestände werden immer noch im Nebenerwerb bewirtschaftet. Das könnte sich als problematisch erweisen. Südhanglagen, die früher bevorzugt wurden, entwickeln sich zunehmend zu Hitze- und Dürrestandorten. Einige Bauern denken bereits über neue Pflanzungen nach, die besser an die klimatischen Veränderungen angepasst sind. Doch der Weg dorthin ist lang und mit vielen Herausforderungen gepflastert.
Schlussendlich wird klar, dass die Zukunft der Streuobstwiesen nicht nur eine Frage der Anpassung ist, sondern auch eine Frage von Wertschätzung – sowohl für die alten Sorten als auch für die Arbeit der Bauern. Verbraucher können durch direkte Einkäufe und die Akzeptanz höherer Preise für regionales Obst einen wichtigen Beitrag leisten. Denn eines ist sicher: Die Streuobstwiesen sind nicht nur ein Stück Kulturgut, sondern auch ein wertvoller Lebensraum, der viele Funktionen erfüllt, die wir nicht aus den Augen verlieren dürfen.
