Im Herzen von Altenburg, genauer gesagt im Interimsquartier Prinzenpalais, öffnete die Ausstellung „Der fantastische Gerhard Altenbourg“ ihre Pforten. Ein Rundgang, der mit einem Bild auf einer azurblauen Wand beginnt, zieht die Besucher sofort in den Bann. Dieses erste Kunstwerk vereint einige der bedeutendsten Motive des Künstlers und lässt erahnen, was für eine Vielfalt an Kreativität in Altenbourgs Werk steckt. Kuratorin Silvia Schmitt-Maaß hebt die filigrane Zeichentechnik und die gekonnte Verwendung unterschiedlichster Materialien hervor – und das ist nur der Anfang.
Altenbourg, ein Name, der gleichsam an seine Heimatstadt erinnert, ist nicht nur als Maler bekannt, sondern auch als Meister der Drucktechnik, Metallarbeiten und sogar der Poesie. Man könnte sagen, er hat die Grenzen der Kunst neu definiert. Sein Wohnhaus hat er in ein begehbares Gesamtkunstwerk verwandelt – eine Art Manifestation seiner Ideen, die auch seine Inspirationsquellen widerspiegeln: philosophische Schriften und die Natur. Die Ausstellung, die zu seinem 100. Geburtstag stattfindet, zeigt in fünf thematisch gestalteten Räumen die beeindruckende Bandbreite seines Schaffens.
Einblicke in die Welt Altenbourgs
Die Figuren in Altenbourgs Arbeiten sind oft grotesk und fantastischer Natur. Ein eigener Raum ist den surrealen Geschöpfen gewidmet, die Schmitt-Maaß als verzerrt und in seltsamen Handlungen beschreibt. Es ist faszinierend, wie der Künstler Elemente des Surrealismus aufnimmt, auch wenn er selbst nicht als Surrealist gilt. Doch seine Teilnahme an der legendären Ausstellung „Labyrinthe“ 1966 in West-Berlin und die Teilnahme an der documenta II in Kassel im Jahr 1959 zeugen von seinem unermüdlichen Streben, die Grenzen der Kunst zu erkunden. In der DDR war das allerdings nicht immer einfach. Hier hatte Altenbourg mit Einschränkungen zu kämpfen, durfte nicht überall ausstellen, pflegte aber dennoch Kontakte zu Künstlern weltweit.
Die Ausstellung lädt ein, die wundersamen Bildwelten Altenbourgs zu entdecken. Man spürt förmlich die Leidenschaft, die hinter jedem Werk steht. Roland Krischke, Direktor des Lindenau-Museums, beschreibt Altenbourg als einen vielfältigen und hochgebildeten Künstler, dessen Werk auch von Ironie durchzogen ist. Der Ausstellungstitel selbst spielt auf traumhafte Bildmotive an, die einen Funken Humor enthalten – eine gelungene Kombination.
Eindrücke aus dem Leben des Künstlers
Gerhard Altenbourg wurde als Sohn des Baptistenpredigers Hugo Ströch und Anna Friederike Heller geboren. Die Familie zog 1929 nach Altenburg, wo sein künstlerischer Werdegang seinen Anfang nahm. Nach einem kurzen militärischen Einsatz im Zweiten Weltkrieg, der ihn tief prägte, nahm er von 1946 bis 1948 Malunterricht. Sein Weg führte ihn an die Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst in Weimar, wo er sich mit verschiedenen Techniken auseinandersetzte. Trotz seiner Exmatrikulation 1950 war dies der Beginn seiner freischaffenden Karriere.
In den 1950er Jahren nahm er den Künstlernamen Altenbourg an und begann, seine Arbeiten in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft in Merxleben zu erstellen. Sein Wohnhaus verwandelte er in ein Gesamtkunstwerk, was seine unkonventionelle Herangehensweise an Kunst widerspiegelt. Später erlangte er internationale Anerkennung – das Museum of Modern Art in New York erwarb eines seiner Werke. Doch das Leben in der DDR war nicht ohne Herausforderungen. Altenbourg war aktives Mitglied der Altenburger Baptistengemeinde und verweigerte sich der offiziellen Kunstpolitik, was seine künstlerische Entfaltung bis in die 1980er Jahre behinderte. Dennoch hinterließ er ein beeindruckendes Erbe, das über 3000 Zeichnungen, 1400 Grafiken, 80 Plastiken und 14 Bücher umfasst.
Die Stiftung Gerhard Altenbourg in Altenburg kümmert sich um seinen umfangreichen Nachlass, zu dem auch sein ausgestaltetes Wohnhaus zählt. Diese Ausstellung ist nicht nur eine Hommage an seinen 100. Geburtstag, sondern auch eine Einladung an alle, sich von der fantastischen Welt Altenbourgs verzaubern zu lassen. Inmitten der Kunstwerke spürt man die Energie und den kreativen Geist eines Künstlers, der seine Zeit weit überdauert hat.


