In Schönau am Königssee gibt es derzeit viel Gesprächsstoff, denn das Grab von Paula Hitler, der Schwester des Diktators Adolf Hitler, ist wieder in den Fokus gerückt. Auf dem dortigen Bergfriedhof ist der Name der 1960 verstorbenen Paula wieder sichtbar, nachdem er rund 20 Jahre lang hinter einer klappbaren Tafel verborgen war. Diese Tafel trug die Namen eines einheimischen Ehepaars, das in den Jahren 2005 und 2006 in derselben Grabstelle beigesetzt wurde. Kürzlich entfernten Unbekannte die Abdeckung und hinterließen nur zwei Scharniere und einen Beschlag am Holzkreuz. Die freigelegte Inschrift gibt nun den Namen und die Lebensdaten von Paula Hitler preis: „Paula Hitler, geboren am 21.01.1896, gestorben am 01.06.1960“.

Das Grab selbst zeigt sich in einem gepflegten Zustand, mit roten Blüten, Edelweiß und mehreren Grablichtern geschmückt. Eine Laterne enthält ein Schwarz-Weiß-Foto von Paula. Ob derjenige, der die Abdeckung entfernte, auch für die Pflege des Grabes verantwortlich ist, bleibt ein Rätsel. Die Friedhofsmitarbeiter meldeten der Gemeinde Schönau am Königssee eine Beschädigung, woraufhin Bürgermeister Alexander Resch (CSU) die Informationen an die Grabberechtigten weitergab. Bislang ist jedoch unklar, ob eine Anzeige bei der Polizei erstattet wurde. Laut Auskunft eines Beamten der Polizeiinspektion Berchtesgaden liegt keine Anzeige vor.

Ein Leben im Schatten des Bruders

Paula Hitler wurde am 21. Januar 1896 im oberösterreichischen Hafeld geboren. Sie war das einzige Kind aus der Ehe von Alois und Klara Hitler, das die Kindheit überlebte. Von den sechs Geschwistern überlebten nur sie und Adolf. Die Kindheit war geprägt von Spannungen, besonders als ihr Vater, ein pensionierter Zollbeamter, starb, als sie erst sechs Jahre alt war. Nach dem Tod ihrer Mutter war sie oft auf sich allein gestellt und übernahm Verantwortung im Haushalt. Diese frühe Verantwortung formte Paula zu einer stillen, zurückhaltenden Person, die sich in der Schule als fleißige Schülerin hervortat.

Die Beziehung zu ihrem Bruder Adolf war kompliziert. Während sie in der Jugend nicht viel Kontakt hatten, änderte sich das in den 1930er-Jahren, als sie von ihm finanziell unterstützt wurde. Sie bekam ein monatliches Einkommen, das im Laufe der Jahre anstieg, und wurde gebeten, den Namen „Wolff“ anzunehmen. Diese Entscheidung brachte Paula in eine prekäre Situation, denn als die nationale Bewegung an Auftrieb gewann, könnte der Nachname „Hitler“ für sie zum Stigma werden.

Nach dem Krieg und die letzten Jahre

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Paula in Berchtesgaden, wo sie als Fürsorgeempfängerin in einer kleinen Wohnung lebte. Trotz ihrer schwierigen Umstände distanzierte sie sich nie von ihrem Bruder. Sie erhielt Hilfspakete von geflohenen Nationalsozialisten und traf sich mit ehemaligen SS-Mitgliedern. In einem Interview von 1959 äußerte sie, dass sie nicht an Adolfs Verantwortung für die Verbrechen in den Konzentrationslagern glaube und bezeichnete ihn als „größten Sohn seiner Heimat“. Solche Äußerungen werfen einen Schatten auf ihre Person, aber sie zogen auch das Interesse von Historikern und Journalisten auf sich.

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Paula starb am 1. Juni 1960 im Alter von 64 Jahren an Krebs. Ihr Erbe war von rechtlichen Auseinandersetzungen geprägt, die von den Nachfolgern seiner Halbschwester Angela und anderen Verwandten ausgingen. Im Jahr 1960 sprach ein Gericht ihr zwei Drittel von Hitlers Nachlass zu, was für viel Aufsehen sorgte. Der Markt Schönau am Königssee hat sich bislang nicht mit der künftigen Gestaltung des Grabes befasst. Laut Bürgermeister Resch sind keine weitergehenden Maßnahmen geplant, da das Grab rechtmäßig erworben wurde.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Diskussionen über Grabstätten von Personen aus Hitlers Umfeld, die zu Orten rechtsextremer Verehrung geworden sind. Dies zeigt, wie komplex die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist und wie schwer es ist, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Paula Hitlers Grab ist da keine Ausnahme. Es bleibt abzuwarten, wie die Gemeinde mit der Situation umgeht und was die Zukunft für diesen Ort bereithält.