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Am kommenden Wochenende wird Leipzig ein starkes Zeichen setzen – und zwar gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Am Samstag, dem 4. Juni 2026, findet auf dem Marktplatz das Frauen-Festival statt, ein Event, das nicht nur zum Feiern einlädt, sondern auch zum Nachdenken anregt. In den letzten Wochen wurden zahlreiche Quadratdecken gestrickt und gehäkelt – eine kreative Aktion, die sich auf die anstehende Markt-Aktion im nächsten Jahr vorbereitet. Ziel der Initiative, organisiert von Frauen für Frauen e.V. und Viva Vittoria Leipzig, ist es, das Bewusstsein für Gewalt gegen Frauen zu schärfen und eine niedrigschwellige Möglichkeit zur Beteiligung zu bieten. Stricken als Zugang zu einem so schweren Thema? Ja, genau das soll es sein.

Sarah Schröder von Frauen für Frauen hebt hervor, wie wichtig es ist, das Thema Gewalt in einem gemütlichen, einladenden Rahmen anzusprechen. „Manchmal sind die schwersten Themen am besten in einer entspannten Atmosphäre zu diskutieren“, sagt sie. Ruth Rabenberg, die Gründerin von Viva Vittoria Leipzig, hat das Konzept aus Kassel nach Leipzig gebracht, wo es bereits erfolgreich umgesetzt wurde. Ursprünglich stammt die Idee aus Italien, wo im Jahr 2015 Frauen gegen Femizide aktiv wurden. Und so wird die Aktion am Samstag offen für alle sein – ob individuell oder in Gruppen. Eine stille, aber kraftvolle Form der Beteiligung für diejenigen, die nicht unbedingt öffentlich sprechen möchten.

Ein alarmierendes Problem

Die Zahlen zur geschlechtsspezifischen Gewalt sind alarmierend. Laut dem BKA-Lagebild 2023 sind die Fälle von frauenfeindlichen Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 56,3 Prozent gestiegen. Auch häusliche Gewalt nimmt zu, mit einem Anstieg von 5,6 Prozent, während sexualisierte Gewalt um 6,2 Prozent gewachsen ist. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg digitaler Gewalt um 25 Prozent. Im Jahr 2023 gab es 360 Femizide, was einen Anstieg von 1 Prozent bedeutet. Insgesamt wurden 909 versuchte und/oder vollendete Femizide verzeichnet. Diese erschreckenden Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit, über das Thema zu sprechen und zu handeln.

Häusliche Gewalt ist eine der häufigsten Formen von Gewalt gegen Frauen. Viele Frauen sind auf Unterstützung angewiesen, doch die Dunkelfeldzahlen sind hoch. „Gewaltschutz ist oft Glückssache“, wird oft gesagt, denn die Unterstützung reicht häufig nicht aus. Der Mangel an finanziellen Mitteln wird als große Herausforderung identifiziert, da der Bedarf an Hilfsangeboten stetig wächst. In Deutschland gibt es rund 400 Frauenhäuser und über 750 Fachberatungsstellen, doch gerade der Mangel an Schutzplätzen und die dauerhafte Belegung der Frauenhäuser stellen ein ernstes Problem dar.

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Gesetzliche Rahmenbedingungen und Herausforderungen

Das Gewalthilfegesetz, das 2025 in Kraft trat, soll den Zugang zu Schutz- und Beratungsangeboten für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, sichern. Es zielt darauf ab, ein Hilfesystem zu schaffen, das nicht nur reagiert, sondern auch präventiv tätig wird. Ab 2027 wird ein flächendeckendes Netz von Schutz- und Beratungsangeboten gefordert, und ab 2032 haben betroffene Frauen mit Kindern einen Rechtsanspruch auf diese Angebote, ohne vorherige Strafanzeige oder Gerichtsverfahren. Das klingt gut, aber die Realität sieht oft anders aus.

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Die gesellschaftliche Verbreitung von Frauenhass und die Herausforderungen, denen Frauen mit Mehrfachdiskriminierungen gegenüberstehen – sei es aufgrund von Armut, Behinderung oder aufenthaltsrechtlichen Problemen – sind enorm. Soziale Barrieren und mangelnde Fachkräfte in Unterkünften erschweren den Zugang zu Hilfsangeboten. Die Sensibilisierung der Fachkräfte im Hilfesystem und der Aufbau von Betroffenenbeiräten zur Einbeziehung von Erfahrungswissen sind dringend notwendig, um die Hürden abzubauen und den Zugang zu Hilfsangeboten für alle betroffenen Frauen zu verbessern.

Am Samstag wird das Frauen-Festival in Leipzig nicht nur ein Ort der kreativen Ausdrucksform, sondern auch eine Plattform, um über diese wichtigen Themen zu sprechen. Es ist eine Einladung, sich zu vernetzen, zu informieren und gemeinsam gegen Gewalt an Frauen einzutreten. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, und die Hoffnung ist groß, dass viele Menschen kommen werden, um ein Zeichen zu setzen – für Solidarität, für Unterstützung und gegen Gewalt.