Heute ist der 18.05.2026 und während ich hier in der Südvorstadt sitze, kann ich nicht anders, als über die erschreckenden Berichte von Amnesty International nachzudenken. In einer Zeit, in der wir uns Fortschritt erhoffen, scheint die Welt einen dunklen Rückschritt zu erleben. Die Organisation hat die höchste Zahl an Hinrichtungen seit über 40 Jahren dokumentiert – ein Anstieg von satten 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es macht einem fast sprachlos. Wie kann es sein, dass in 113 Ländern die Todesstrafe noch immer verhängt wird? Auch wenn Deutschland diese grausame Praxis schon lange abgeschafft hat – die letzte legale Hinrichtung fand am 11. Mai 1949 in Berlin statt – bleibt die Todesstrafe an vielen Orten ein furchtbares Instrument staatlicher Gewalt.
Der Fall, der damals in Berlin für Aufsehen sorgte, betraf einen 24-Jährigen, der wegen Raubmordes und Vergewaltigung verurteilt wurde. Er wurde durch Enthauptung mit dem Fallbeil hingerichtet. Nach dieser letzten Hinrichtung wurde die Berliner Guillotine demontiert und 40 Jahre lang im Keller der Untersuchungshaftanstalt Moabit aufbewahrt, als ob man sich vor den Geistern der Vergangenheit fürchtete. Das Grundgesetz trat nur 12 Tage später in Kraft und beendete die Todesstrafe in der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949. In der DDR war es allerdings ein anderes Bild – die Todesstrafe wurde bis 1987 vollstreckt, die letzte Hinrichtung fand am 26. Juni 1981 in Leipzig statt. Der Verurteilte, Werner Siegfried Teske, wurde wegen angeblicher Spionage und versuchter Fahnenflucht hingerichtet, und das Ganze blieb ohne Öffentlichkeit, als ob man das Unrecht nicht noch weiter entblößen wollte.
Weltweite Hinrichtungen und der Iran
Ein Blick auf die globale Situation zeigt, dass im Jahr 2025 insgesamt 2707 Exekutionen in 17 Ländern registriert wurden. Und das sind nur die offiziellen Zahlen – die Dunkelziffer könnte weitaus höher liegen. Besonders alarmierend ist die Situation im Iran, wo mindestens 2.159 Menschen hingerichtet wurden. Amnesty Deutschland warnt eindringlich, dass die Todesstrafe im Iran nicht nur ein rechtliches, sondern ein Instrument der Machtdemonstration ist. Sie wird genutzt, um die Bevölkerung einzuschüchtern und die Kontrolle zu festigen. In einem Land, in dem Proteste und internationale Spannungen an der Tagesordnung sind, ist die Todesstrafe ein ständiges Damoklesschwert.
Die Berichte deuten darauf hin, dass auch im Jahr 2026 bereits wieder Hinrichtungen durchgeführt wurden, insbesondere als Reaktion auf Unruhen. Es ist besorgniserregend, wie schnell die Welt in alte Muster zurückfallen kann, wo die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Der Gedanke daran, dass in einer modernen Gesellschaft solche Praktiken noch immer existieren, lässt einen einfach nicht los. In der heutigen Zeit, wo Aufklärung und Toleranz so wichtig sind, scheint es, als würde die Menschheit an einer Weggabelung stehen: In die eine Richtung Fortschritt, in die andere Richtung – eine Rückkehr zu barbarischen Praktiken.
Die Auseinandersetzung mit der Todesstrafe wirft Fragen auf, die uns alle betreffen. Wie können wir, als Teil der globalen Gemeinschaft, sicherstellen, dass Menschenrechte geachtet werden? Was können wir tun, um solchen Gräueltaten entgegenzuwirken? Die Diskussion ist komplex und oft emotional geladen, aber sie ist notwendig. Denn am Ende des Tages sind es die Menschen, die unter diesen Entscheidungen leiden – und die Erinnerung an jene, die vor uns gingen, sollte uns dazu anregen, für eine bessere Zukunft zu kämpfen.


