Am 27. Oktober 2026 wird die Leipziger Autorin Tupoka Ogette mit dem renommierten Louise-Otto-Peters-Preis ausgezeichnet. Eine E-Mail hat es ihr angetan, sie las die Nachricht mehrfach – konnte es kaum fassen! Der Preis, der mit 5.000 Euro dotiert ist, wird für ihr außergewöhnliches Engagement zur Gleichstellung und Selbstbestimmung von Frauen und Männern verliehen. Ogette, geboren und aufgewachsen in Leipzig, ist eine der profiliertesten Stimmen für Rassismuskritik im deutschsprachigen Raum. In ihrem autobiografischen Buch „Trotzdem Zuhause“ gibt sie Einblicke in ihre Kindheit als schwarzes Kind in der DDR und teilt ihre schmerzlichen Rassismuserfahrungen, die sie in ihrer Heimatstadt besonders stark prägten.

Die Preisverleihung findet um 16 Uhr im Felix am Augustusplatz 1–3 in Leipzig statt. Interessierte können sich bis zum 13. Oktober 2026 über ein Online-Formular anmelden. Die Stadt Leipzig vergibt diesen Preis seit 2015 jährlich und würdigt damit herausragende Leistungen in der Förderung der Gleichstellung. Die Laudatio wird von der Journalistin und Autorin Sibel Schick gehalten. Ogette selbst bezeichnet den Preis als große Ehre und fühlt sich besonders durch die Verbindung zu ihrer Heimatstadt berührt.

Ein Leben zwischen den Welten

Tupoka Ogette hat in Leipzig Afrikanistik studiert und arbeitet seit 2012 als rassismuskritische Beraterin und Trainerin. Ihre Erfahrungen in Ostdeutschland haben ihren Blick auf Zugehörigkeit, Ausgrenzung und gesellschaftliche Machtverhältnisse geprägt. Sie setzt sich unermüdlich für Gleichberechtigung und eine offene, vielfältige Stadtgesellschaft ein. In ihren Büchern, Workshops und öffentlichen Debatten thematisiert sie Aspekte wie Herkunft, Hautfarbe, Identität, Geschlecht und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Themen sind nicht nur akademisch – sie berühren das Herz der Gesellschaft.

Ogette beschreibt ihr Verhältnis zu Leipzig als widersprüchlich – einerseits schön, andererseits schmerzhaft. Die Stadt hat ihr oft die Zugehörigkeit verweigert, doch sie bietet auch Zuflucht und Heimat. „Zuhause“ bedeutet für sie ein Ort, an dem man sich nicht erklären muss. Ihre persönlichen Erfahrungen, die sie in „Trotzdem Zuhause“ schildert, sind nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern auch ein Spiegelbild der gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Ein Preis mit Geschichte

Der Louise-Otto-Peters-Preis erinnert an die gleichnamige Schriftstellerin, die 1865 in Leipzig den Allgemeinen Deutschen Frauenverein mitbegründete. Ihr Engagement für Frauenrechte hat Leipzig den Titel „Wiege der Frauenbewegung“ eingebracht. Ogette trägt mit ihrer Arbeit dazu bei, dass die in den vergangenen Jahrzehnten erkämpften Fortschritte nicht in Vergessenheit geraten. In Zeiten, in denen die Gesellschaft zunehmend polarisiert scheint, hebt sie die Bedeutung von Solidarität und Verständnis hervor. Sie beobachtet die gesellschaftspolitischen Entwicklungen mit wachsender Sorge, betont aber, dass die Fortschritte nicht verloren sind.

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Die Veröffentlichung ihres Buches war für Ogette ein verletzlicher Prozess. Sie beschreibt es als „mein Herz in Buchform“ und hat bei der Lesetour im Frühjahr bereits viele berührende Begegnungen erlebt. Es sind genau diese Momente, die zeigen, wie wichtig Räume für Verletzlichkeit und unterschiedliche menschliche Erfahrungen sind. Im Herbst wird sie erneut auf Lesetour gehen – ein Ausdruck ihres unermüdlichen Engagements.

Die Preisverleihung ist mehr als nur eine Auszeichnung. Sie ist eine Anerkennung für all diejenigen, die für eine gerechtere und gleichberechtigte Gesellschaft kämpfen. Wenn Tupoka Ogette auf die Bühne tritt, wird nicht nur ihre Stimme gehört, sondern auch das Echo der vielen, die sich nach einem echten Zuhause sehnen, nach einem Ort, an dem man ganz man selbst sein kann.