Grünau ist ein Stadtteil, der in den letzten Jahrzehnten viel durchgemacht hat. Die Langzeitstudie unter der Leitung von Sigrun Kabisch zeigt, dass 68 Prozent der Befragten sich in ihrer eigenen Wohnung sehr wohlfühlen. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass dieser Wert seit vor zehn Jahren konstant geblieben ist. Viele Bewohner schätzen die Größe, Lage und Ausstattung ihrer Wohnungen sowie die günstigen Mieten. Das klingt alles nach einem kleinen Wohnparadies! Aber, und das ist wichtig, das Wohlbefinden im öffentlichen Raum hat einen deutlichen Rückgang erfahren. Von 74 Prozent im Jahr 2009 ist es auf nur 49 Prozent im Jahr 2025 gefallen. Müll, Verschmutzung und Sicherheitsbedenken sind die Hauptgründe dafür. Besonders ältere Menschen machen sich Sorgen über die Veränderungen in ihrer Nachbarschaft.
Das Vertrauen unter Nachbarn bleibt jedoch stabil. Rund zwei Drittel der Bewohner würden mindestens einer Person im Haus ihren Wohnungsschlüssel anvertrauen. Das ist ein schöner Hinweis auf die sozialen Bindungen im Wohnumfeld. Besonders in genossenschaftlichen Wohnhäusern finden sich enge Nachbarschaften, wo viele Menschen seit Jahrzehnten wohnen. Vielleicht ist das der Grund, warum sich die Bewohner trotz der Schwierigkeiten im öffentlichen Raum so wohlfühlen.
Wohnen im Wandel der Zeit
Parallel zu diesen Entwicklungen gibt es ein spannendes Projekt, das die Anforderungen und Bedürfnisse des Wohnens neu definiert. Die Corona-Pandemie hat den Stellenwert des Wohnens erhöht und die Trennung von Arbeit und Familie infrage gestellt. Wohnungen sind längst nicht mehr nur Schlafstätten – sie werden zu multifunktionalen Orten für Aktivitäten, die vorher räumlich getrennt waren. Das hat weitreichende soziale und psychologische Folgen, die viele von uns wahrscheinlich noch nicht vollständig durchdrungen haben. Die Transformation des Alltagslebens und Wohnens ist eine Entwicklung, die durch die Pandemie beschleunigt wurde.
Das Projekt „Funktionswandel des Wohnens“ zielt darauf ab, die aktuelle Wohnpraxis zu analysieren und zukünftige Wohnbedarfe zu projizieren. Eine zentrale Methode ist eine repräsentative Bevölkerungsbefragung in Deutschland zu Krisenerfahrungen und Wohnwünschen. Hier kommen spannende Erkenntnisse ans Licht, die uns helfen können, die Stadtplanung und Baupolitik nachhaltig zu gestalten.
Ein Blick auf die Zahlen
Natürlich dürfen wir auch die amtlichen Statistiken nicht vergessen, die uns umfassende Daten zum Thema Wohnen liefern. Einfamilienhäuser, Wohnungen und die ständig aktualisierte Anzahl der Gebäude geben uns ein klareres Bild von der Wohnsituation in Deutschland. Die durchschnittlichen Mieten, die in den verschiedenen Tabellen erfasst werden, zeichnen ein differenziertes Bild der finanziellen Belastungen, die viele Haushalte stemmen müssen. Die Mietbelastungsquote zeigt uns, wie viel vom Haushaltsnettoeinkommen für die Miete draufgeht – ein Thema, das viele von uns beschäftigt.
Die Wohnfläche pro Person, die aus dem gesamten Wohnungsbestand und der Einwohnerzahl berechnet wird, ist ebenfalls eine interessante Kennzahl. Sie gibt uns Anhaltspunkte, wie viel Platz wir tatsächlich zur Verfügung haben. Im Mikrozensus werden die bewohnten Wohnungen berücksichtigt, was uns einen realistischen Eindruck der Wohnverhältnisse vermittelt. So zeigt sich, dass Wohnen in Deutschland ein vielschichtiges Thema mit vielen Facetten ist.



