Barrierefreier Zugang zum Bahnhof Bad Holzhausen: Ein Kampf um Teilhabe und Gleichstellung
In Bad Holzhausen, einem charmanten Örtchen in Preußisch Oldendorf, gibt es ein Problem, das für viele Reisende mehr als nur ein kleines Ärgernis ist. Der Bahnhof hier ist alles andere als barrierefrei. Um das Bahnhofsgelände zu verlassen, müssen Reisende mehr als 20 Treppenstufen hinunter- und hinaufsteigen. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, wie Dorothe Hoffmeier, ist das eine unüberwindbare Hürde. Sie sitzt im Elektrorollstuhl und hat in einer E-Mail an den Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) eindringlich auf die Missstände hingewiesen.
Hoffmeier fordert, dass der Bahnhof endlich barrierefrei zugänglich gemacht wird. Ihr Argument stützt sich auf das gesetzlich verankerte Recht auf Teilhabe. Wieder einmal zeigt sich, dass es im Jahr 2026 immer noch viel zu tun gibt, wenn es um die Gleichstellung und Teilhabe aller Bürger geht. Der NWL hat zwar auf die Anfrage geantwortet und versichert, dass Barrierefreiheit eine zentrale Rolle spielt, doch die Antwort kam mit einem bitteren Beigeschmack: Es seien finanzielle Mittel und Zeit notwendig, um die Stationen schrittweise umzubauen. Bad Holzhausen steht dabei nicht ganz oben auf der Prioritätenliste – andere Bahnhöfe genießen derzeit ein höheres Renommee.
Ein schiefes Bild der Mobilität
Das Bild wird noch schiefer, wenn man erfährt, dass ein früherer Treppenlift abgebaut wurde, weil er nicht mehr bedient werden konnte. Der Schrägaufzug, der jahrelang defekt war, stellte die Reisenden vor zusätzliche Herausforderungen. Die Deutsche Bahn (DB) hatte nicht nur keinen Ersatz für die Teile, die für die Reparatur benötigt wurden, sondern auch die Bedienung war ein echtes Abenteuer: Man musste Holsing Vital anrufen, damit ein Mitarbeiter zum Bahnhof kam, um den Lift zu bedienen. Das klingt nicht gerade nach einem barrierefreien Zugang, oder?
Karlheinz Stephan und seine Frau, die in Bad Holzhausen leben und gerne den Zug nutzen, setzen sich ebenfalls für den Umbau des Bahnhofs ein. Sie haben die Dorfgemeinschaft mobilisiert, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. „Die DB hat sich trotz jahrelanger Beschwerden nicht ausreichend um den defekten Aufzug gekümmert“, berichtet Stephan und hat dabei das Gefühl, dass die Bemühungen der Anwohner nicht ganz ohne Wirkung blieben. In der Hoffnung, dass das Engagement die Bahn zu einem Umbau bewegt, haben bereits Vor-Ort-Begehungen mit der DB stattgefunden, doch die Machbarkeitsstudie ist noch nicht abgeschlossen.
Der Weg zur Barrierefreiheit
Der Bürgermeister von Bad Holzhausen, Marko Steiner, steht seit Jahren in Kontakt mit der Bahn. Seine Idee: Ein oberirdischer Zugang zu den Bahnsteigen, denn die Gleise liegen ebenerdig zur Straße. „Da wäre Platz für eine flach geneigte Rampe“, meint Steiner. Es ist frustrierend, dass diese Vorschläge bisher nicht umgesetzt wurden, während in Bohmte und Lemförde die Arbeiten für barrierefreie Bahnhöfe bereits geplant sind. In Bohmte sollen 2027 die Arbeiten beginnen, und in Lemförde wird für Februar 2027 mit den Bauarbeiten gerechnet. Bad Holzhausen muss sich also in Geduld üben.
Die Deutsche Bahn selbst gibt an, dass 89 Prozent aller Bahnsteige in Deutschland bereits stufenfrei zugänglich sind, und dass der barrierefreie Ausbau hohe Priorität hat. Größere Bahnhöfe sollen jedoch vorrangig umgebaut werden. Das lässt einen schon etwas schmunzeln, wenn man bedenkt, dass die DB seit 2002 eine Kontaktstelle für kundenbezogene Behindertenangelegenheiten eingerichtet hat. Hier werden die Anliegen von Reisenden mit Behinderungen koordiniert, und es gibt sogar regelmäßige Gespräche zur Verbesserung der Barrierefreiheit.
Doch was nützt das alles, wenn in Bad Holzhausen die Reisenden weiterhin mit Treppen und einem defekten Aufzug konfrontiert werden? Es bleibt zu hoffen, dass die Stimmen der Dorfgemeinschaft und die anhaltenden Bemühungen um einen barrierefreien Zugang zum Bahnhof nicht im Sande verlaufen. Die Zeit drängt, und viele Reisende warten sehnsüchtig auf eine Lösung, die ihnen die Teilnahme am öffentlichen Leben wirklich ermöglicht.
