Zukunft des Marchfelder Gemüsebaus in Gefahr: Schließung von Ardo sorgt für Unsicherheit bei Landwirten
In Schönau an der Donau, wo die Familie Mayer seit Generationen Gemüse anbaut, herrscht momentan große Unsicherheit. Die Schließung des Tiefkühlgemüse-Produzenten Ardo in Groß-Enzersdorf hat nicht nur die Landwirtschaft im Marchfeld auf den Kopf gestellt, sondern auch die Pläne vieler Landwirte durchkreuzt. Plötzlich stehen Betriebe ohne Abnehmer da. Der Junior-Landwirt Philipp Mayer blickt besorgt in die Zukunft. „Wir haben die Aussaat für Winterspinat gestoppt“, erzählt er mit einem Ausdruck der Besorgnis in den Augen. „Für uns ist das eine besondere Herausforderung.“ Das, was einmal das Rückgrat der regionalen Landwirtschaft war, droht ins Wanken zu geraten.
Die Schließung des Werks wird nicht nur die Familie Mayer betreffen. Rund 500 Vertragslandwirte, die für Ardo produzieren, sind betroffen. Sie bewirtschaften gemeinsam etwa 3.300 Hektar – und das alles für die Verarbeitung von Gemüse, das Ardo vermarktet. „Wir haben im letzten Jahr etwa 40.000 Tonnen Rohware im Wert von 18,5 Millionen Euro geliefert“, erklärt ein Vertreter der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG). Und jetzt? Jetzt sieht es düster aus. Die einzige Produktionslinie für Tiefkühlspinat und Tiefkühlrotkraut in Österreich steht still, und die bäuerlichen Betriebe wissen nicht, wohin mit ihrem Gemüse.
Ein Rückschlag für die Region
Dabei hat der Standort Groß-Enzersdorf eine lange Geschichte mit dem Marchfelder Gemüsebau. Seit 2008 wird das Werk von Ardo geführt, und es wurde viel in neue Kulturen und Technologien investiert. Edamame, eine neue Kultur, wird mittlerweile auf rund 900 Hektar angebaut. Das erforderte spezialisiertes Wissen und angepasste Ernteverfahren. „Ohne den Standort fehlt uns die zentrale Infrastruktur für die Tiefkühlverarbeitung“, sagt ein Landwirt, dessen Stimme die Frustration über die Situation nicht verbergen kann. Wenn man bedenkt, dass hier auch für Kräuter spezialisierte Produktionsverfahren entwickelt wurden, wird das Ausmaß der Bedrohung klar. Die bisherigen Erfolge stehen auf der Kippe, und die Verarbeitungsmöglichkeiten schwinden.
Die Landwirtschaftskammer hat bereits gefordert, dass Ardo rasch Informationen zur Zukunft des Standorts sowie der dortigen Anlagen bereitstellt. „Wir brauchen Klarheit!“, ruft ein Landwirt aus der Region. Viele Betriebe haben in das Vertrauen investiert, das sie in die langjährige Zusammenarbeit mit Ardo gesetzt haben. Jetzt stehen sie vor der Frage: Was kommt als Nächstes? Es ist nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern auch eine Frage der Identität.
Die Zukunft des Tiefkühlgemüses
Der belgische Konzern Ardo hat sich entschieden, die finanziellen Unterstützungsangebote von Bund und Land abzulehnen. „Das ist eine schockierende Entscheidung“, sagt Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Lorenz Mayr. „Österreichisches Gemüse soll nicht einfach durch ausländische Ware ersetzt werden.“ Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Rund 250 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe, und die gesamte Wertschöpfungskette könnte in Gefahr geraten. „Wir wollen nicht, dass unsere Betriebe und unser Wissen verloren gehen“, betont Mayr. Gespräche mit potenziellen Käufern und Übernahmeinteressenten laufen bereits, aber die Unsicherheit bleibt. Die Frage, ob und wie die Verarbeitungskapazitäten und das Know-how im Marchfeld erhalten werden können, schwebt in der Luft.
In der Zwischenzeit bleibt den Landwirten nichts anderes übrig, als die Situation abzuwarten. „Wir müssen hoffen, dass sich schnell eine Lösung findet“, murmelt Philipp Mayer. Das Gefühl der Ohnmacht ist greifbar, während die Sonne über den Feldern von Schönau untergeht. Die Region steht vor einer der größten Herausforderungen ihrer Geschichte, und die Frage, wie es weitergeht, bleibt vorerst unbeantwortet.
