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Die Südvorstadt von Leipzig wird ab diesem Mittwoch zu einem besonderen Ort der Erinnerung und des kulturellen Austauschs. Im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig öffnet die lang erwartete Sonderausstellung „Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann“ ihre Pforten. Diese Ausstellung widmet sich dem jüdischen Leben um 1930 und zeigt über 100 Porträts und Gruppenbilder, die aus dem Archiv des jüdischen Fotografen Abram Mittelmann stammen, der von 1909 bis 1938 in Leipzig ein Fotoatelier betrieb. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Aufnahmen, die nicht nur seine eigene Familie, sondern auch viele Menschen, die sich in seinem Atelier ablichten ließen, festhalten.

Die Ausstellung wird bis zum 4. April 2027 im Haus Böttchergäßchen zu sehen sein und ist im Kontext des „Jahres der jüdischen Kultur in Sachsen 2026“ von großer Bedeutung. Ein bemerkenswerter Aspekt ist die Entdeckung des Archivs im Jahr 1988 auf einem Dachboden in der Leipziger Südvorstadt – ein wahrhaft geschichtsträchtiger Ort, der nun die Geschichten der Porträtierten erzählt. Die meisten Aufnahmen stammen aus der Zeit um 1930 und zeigen die Vielfalt des Lebens in der jüdischen Gemeinde jener Zeit. Um die 1.800 Bilder wurden in einem Recherche- und Forschungsprojekt bearbeitet, wobei 862 davon einer Person zugeordnet werden konnten, was die Ausstellung zu einem wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur macht.

Ein Blick in die Vergangenheit

Was die Ausstellung besonders macht, sind die zahlreichen Porträts von Frauen, Männern und Kindern – ein bewegender Einblick in die Schicksale und Netzwerke der jüdischen Gemeinde in Deutschland. Unter den Fotografierten finden sich auch SA-Männer, was die Komplexität der damaligen Gesellschaft widerspiegelt. Eugen Mittelmann, der Sohn von Abram, hat sich ab 1925 auf Porträts von Schauspielerinnen und Sängern spezialisiert und auch für Werbung gearbeitet. Diese Verbindung zur Welt des Theaters und der Kunst bringt eine zusätzliche Dimension in die Ausstellung.

Die Präsentation der Glasnegative, die ebenfalls 1988 entdeckt wurden, wird die Besucher in ihren Bann ziehen. In der Ausstellung sind über 2.000 Glasnegative zu sehen, die eine Vielzahl von Lebensmomenten festhalten. Die Zusammenarbeit mit Nadia Vergne, der Enkelin von Abram Mittelmann, gibt der Ausstellung eine persönliche Note und sorgt dafür, dass die Geschichte der Familie lebendig bleibt. Unterstützt wird das Projekt von mehreren Institutionen, darunter die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Kulturstiftung Freistaat Sachsen, was die Relevanz und den Stellenwert dieser Ausstellung unterstreicht.

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Ein Teil einer größeren Erzählung

Die Ausstellung „Momentaufnahme“ reiht sich ein in eine lange Tradition, die sich mit der Aufarbeitung jüdischen Lebens und der Kultur beschäftigt. Ähnliche Archive, wie das im Jüdischen Museum, sammeln bedeutende Bilddokumente zur Geschichte und Kultur der Juden in verschiedenen Regionen, von Frankfurt am Main bis nach Hessen. Dort sind beeindruckende Sammlungen von Abbildungen von Synagogen, Gemeindebauten und Kultgeräten zu finden. Diese Sammeltätigkeiten tragen entscheidend zur Bewahrung des jüdischen Kulturerbes und zur Erinnerung an die Vergangenheit bei.

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So wird die Sonderausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum nicht nur ein Ort des Schauens, sondern auch ein Raum für Austausch und Reflexion. Die Geschichten, die diese Bilder erzählen, sind nicht nur Teil der Vergangenheit, sondern auch Teil der gegenwärtigen Identität der Stadt Leipzig. Ein Besuch ist also nicht nur eine kulturelle Bereicherung, sondern auch ein Schritt in die Richtung, die Erinnerung an das jüdische Leben in Deutschland lebendig zu halten.