Am kommenden Samstag wird Leipzig zum Schauplatz eines bundesweiten Protesttags gegen die aktuellen Abschiebepolitiken. Unter dem Motto „Bundesweit gegen Abschiebewahn“ versammeln sich Menschen an verschiedenen Flughäfen, um gegen die geplanten Charter-Abschiebungen, insbesondere nach Afghanistan, zu demonstrieren. In der Messestadt selbst werden die Proteste vor allem vor dem Flughafen Leipzig/Halle stattfinden. Dabei richten sich die Stimmen der Organisatoren gegen die Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber, die Abschiebehaft und den Ausbau der entsprechenden Infrastruktur.

Die Situation hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Allein im Jahr 2025 wurden bundesweit 22.787 Menschen abgeschoben, während gleichzeitig mehr als 113.000 neue Asyl-Erstanträge registriert wurden. Die Zahlen zeigen, dass die Abschiebepolitik in einem Spannungsfeld zwischen humanitären Notwendigkeiten und politischem Handeln steht. Ende Juni 2026 waren in Deutschland über 258.000 Menschen ausreisepflichtig, viele von ihnen sind geduldet, was bedeutet, dass ihre Abschiebung vorübergehend ausgesetzt ist.

Proteste gegen die Rückführung nach Afghanistan

Besonders emotional wird es, wenn man sich die Gründe für die Proteste vor Augen führt. Die Aktivisten weisen auf die verheerenden Lebensbedingungen in Afghanistan hin, die durch die Machtübernahme der Taliban im August 2021 noch verschärft wurden. Frauen und Mädchen leiden unter massiven Einschränkungen, und Menschenrechtsaktivisten sehen sich großen Gefahren ausgesetzt. Bei einem Protest im Juli, der sich gegen einen geplanten Abschiebeflug richtete, forderten die Demonstranten ein Ende der Zusammenarbeit mit den Taliban. Sie machen darauf aufmerksam, dass viele Afghanen, die zurückkehren, mit Folter oder gar dem Tod rechnen müssen.

Die Abschiebungen nach Afghanistan, die seit 2024 wieder durchgeführt werden, betreffen vor allem straffällige Personen. Bis Juli 2026 wurden mehr als 200 Menschen abgeschoben, darunter 87 im ersten Halbjahr 2026. Die Bundesregierung hat unter dem Deckmantel der Migrationspolitik und der Bekämpfung von Kriminalität diese Maßnahmen gerechtfertigt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nennt die Abschiebungen gerechtfertigt, insbesondere wenn es um verurteilte Straftäter geht. Dabei stellt sich die Frage: Was passiert mit jenen, die ohne strafrechtliche Verurteilung abgeschoben werden? Ein Schritt, der die Protestierenden in Rage versetzt.

Die Rolle der Taliban und die deutsche Migrationspolitik

Die Zusammenarbeit mit den Taliban ist ein weiteres heißes Eisen. Deutschland hat offiziell keine diplomatischen Beziehungen zum Taliban-Regime, steht jedoch auf „technischer Ebene“ in Kontakt, um Rückführungen vorzubereiten. Währenddessen wird die Menschenrechtslage in Afghanistan als katastrophal beschrieben. Amnesty International warnt, dass die Abschiebungen grundsätzlich dem völkerrechtlichen Non-Refoulement-Gebot widersprechen, das Abschiebungen in Staaten verbietet, in denen Verfolgung, unmenschliche Behandlung oder der Tod drohen. Und das gilt unabhängig von der Straffälligkeit der Person.

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Die Proteste in Leipzig sind also nicht nur ein lokales Phänomen. Sie sind Teil eines viel größeren, deutschlandweiten Widerstands gegen die Abschiebepolitik, die in den Augen vieler menschenrechtsverletzend ist. Die Debatte über Abschiebungen reicht von Forderungen nach einem sofortigen Stopp bis hin zu kritischen Stimmen, die eine zu geringe Zahl erfolgreicher Abschiebungen beklagen. In Sachsen scheiterten im ersten Quartal 2026 232 Abschiebungen, während nur 235 erfolgreich waren. Die Zahlen sprechen für sich und werfen Fragen auf: Wie human ist die deutsche Migrationspolitik wirklich?

Inmitten all dieser Diskussionen bleibt die Menschlichkeit oft auf der Strecke. Die Schicksale der Menschen, die abgeschoben werden und die, die bleiben, sind in der politischen Debatte oft nur Zahlen. Doch in Leipzig wird am Samstag ein Zeichen gesetzt. Ein Zeichen gegen die Deportation, ein Zeichen für die Menschenrechte. Und das ist etwas, das uns alle betrifft.