Mongolischer Staatspräsident Ukhnaa besucht Universität Leipzig und würdigt historische Forschungstradition
Gestern war ein besonderer Tag in Leipzig, denn der mongolische Staatspräsident Khurelsukh Ukhnaa war zu Besuch an der Universität Leipzig. Ein Besuch, der nicht nur historisches Gewicht hat, sondern auch die lebendige Verbindung zwischen Deutschland und der Mongolei unterstreicht. An diesem Ort, der für viele als Wiege der Mongolei-Forschung gilt, wurde eine Gedenktafel für den Leipziger Forscher Erich Haenisch und seinen mongolischen Schüler Natsagdorj Dashdorj enthüllt. Die beiden hatten ab 1926 an der ersten deutschen Übersetzung der „Geheimen Geschichte der Mongolen“ gearbeitet und damit einen bedeutenden kulturellen Beitrag geleistet.
Ukhnaa betonte bei dieser Gelegenheit die Wichtigkeit, die strategische Partnerschaft zwischen den beiden Ländern weiterzuentwickeln. „Echte Freundschaft zwischen Völkern entsteht durch Vertrauen und gegenseitiges Verständnis“, sagte er und erinnerte daran, wie wichtig es sei, das gemeinsame Erbe des vergangenen Jahrhunderts zu bewahren und an die jüngeren Generationen weiterzugeben. Übrigens beherrscht nur etwa ein Prozent der mongolischen Bevölkerung die deutsche Sprache, was im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern einen Spitzenwert darstellt. Irgendwie erstaunlich, oder?
Ein Blick in die Vergangenheit
Rektorin Eva Inés Obergfell verwies auf die lange Tradition der Mongolei-Forschung in Leipzig. Bereits 1882 wurde hier die erste Lehrveranstaltung in mongolischer Sprache angeboten. Leipzig entwickelte sich zu einem Zentrum der deutschen und europäischen Mongolistik – ein Erbe, das auch heute noch lebendig ist. Während der DDR-Zeit kamen viele mongolische Studierende nach Leipzig, um die deutsche Sprache zu lernen und sich auf ihr weiteres Studium vorzubereiten. Aktuell haben 13 neue Studierende aus der Mongolei ihr Studium in Leipzig begonnen, was zeigt, dass die Verbindung zwischen den Ländern auch in der Gegenwart stark ist.
Nach der Zeremonie reiste Ukhnaa weiter nach Dresden, wo Gespräche mit Ministerpräsident Michael Kretschmer und Landtagspräsident Alexander Dierks auf dem Programm standen. Auch ein Besuch der Gemäldegalerie Alte Meister und ein Treffen mit mongolischen Studierenden waren geplant. Der Chef der sächsischen Staatskanzlei, Andreas Handschuh, sieht großes Potenzial für die Zusammenarbeit mit der Mongolei. Im Jahr 2024 wird Sachsen ein Verbindungsbüro in Ulaanbaatar einrichten, was die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen weiter vertiefen soll. Kooperationsfelder könnten unter anderem der Bergbau, insbesondere Seltene Erden, sowie die Ernährungs- und Nahrungsmittelindustrie sein.
Historische Wurzeln und kulturelle Brücken
Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Mongolei sind tief verwurzelt und gehen bis in die Zeit der DDR zurück. Stipendien und Wirtschaftshilfen während des Kalten Krieges haben die deutsche Kultur in der Mongolei gestärkt, so dass mittlerweile etwa 30.000 Mongolen die deutsche Sprache sprechen. Interessanterweise fand die erste Begegnung zwischen Deutschen und Mongolen bereits 1241 bei der Schlacht von Liegnitz statt, was zeigt, dass die Geschichte beider Länder reich an gemeinsamen Erlebnissen ist.
Die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern wurden 1950 mit der DDR aufgenommen. Von da an entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, insbesondere in den Bereichen Wirtschaft und Bildung. Die DDR wurde zum wichtigsten europäischen Partner der Mongolei und unterstützte den Aufbau von Fabriken und Schulen. Auch nach der Wiedervereinigung blieben die politischen und kulturellen Begegnungen auf einem hohen Niveau, was die Bedeutung der deutsch-mongolischen Beziehungen bis heute unterstreicht.
Das alles zeigt, dass Leipzig nicht nur ein Ort der Wissenschaft, sondern auch ein Knotenpunkt kultureller Brücken zwischen Europa und Asien ist. Wenn die mongolischen Studierenden in den Hörsälen der Universität Leipzig sitzen, wird die Geschichte lebendig. Und vielleicht wird der nächste Schritt in der deutsch-mongolischen Freundschaft nicht nur in den Büchern stehen, sondern auch in den Herzen der Menschen.
