Martina Hefters neuer Roman „Nach der Sonne schauen“: Ein literarischer Rückzug in die Kunstlandschaft Leipzigs
In Leipzig, wo die Kunstszene vielfältiger nicht sein könnte, gibt es einen neuen Lichtblick in der Literatur: Martina Hefters Roman „Nach der Sonne schauen“ wird 2026 bei Klett-Cotta veröffentlicht. Nach ihrem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Werk „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“, das 2024 erschien, haben die Leserinnen erneut Grund zur Freude. Hefter, die 1965 in Pfronten das Licht der Welt erblickte, lebt seit 1997 als freie Künstlerin in der sächsischen Metropole und hat sich als vielseitige Schriftstellerin und Performancekünstlerin einen Namen gemacht.
„Nach der Sonne schauen“ erzählt die Geschichte von Iona Bartschok, einer Installationskünstlerin, die in einer ehemaligen Tagebaulandschaft Zuflucht sucht. Mit den Konflikten ihrer Vergangenheit und den Herausforderungen der Gegenwart konfrontiert, versucht Iona, in der rauen, künstlich gefluteten Landschaft eine neue Perspektive für ihre Kunst zu finden. Diese Kulisse ist nicht nur ein Ort der Rückkehr, sondern auch ein Spiegelbild ihrer inneren Kämpfe.
Die Welt der Iona Bartschok
Die Protagonistin Iona zieht sich in das Leipziger Umland zurück, um an einem neuen Kunstprojekt zu arbeiten. Doch der Wind bläst stark und die Erinnerungen an ihre beschädigten Kunstwerke sind allgegenwärtig. Ein Maler, der eines ihrer bedeutendsten Werke – ein Baumhaus – mit „Bullshit“ besprüht hat, hinterlässt in ihr tiefe Spuren. Iona kämpft mit der Zudringlichkeit der Gegenwart und findet in einem digitalen Hund, den ihr Vermieter an die Wand installiert hat, zunächst einen seltsamen Begleiter. Doch dann läuft ihr die Hündin Bella zu – ein kleines Stück Leben in der Einsamkeit.
Die Landschaft, geprägt von Abraumhalden und dem ständigen Wind, wird zum Schauplatz ihrer inneren Auseinandersetzungen. Dabei thematisiert Hefter nicht nur die kreative Suche, sondern auch die Verbindung zwischen Menschen und die Momente, die sie trennen oder zusammenbringen. Gesellschaft leistet Iona anfangs nur der digitale Hund; doch als Nova, die kämpferische Nichte des Vermieters, vor ihrer Tür steht, kehrt das Leben zurück in die Halle.
Martina Hefter: Eine Künstlerin mit vielen Facetten
Martina Hefter ist nicht nur für ihren literarischen Schaffensdrang bekannt. Sie hat auch in den Bereichen Performance und Installation gewirkt. Ihr Debütroman „Junge Hunde“, erschienen 2001, führte die Leserinnen durch das Nachwende-Leipzig. Die darin behandelten Themen wie Identität und Veränderung sind auch in ihren weiteren Werken immer wieder präsent. Ihre Gedichtbände, darunter „Nach den Diskotheken“ und „Es könnte auch schön werden“, zeugen von ihrer Fähigkeit, Emotionen in Worte zu fassen und alltägliche Momentaufnahmen festzuhalten.
Die Auszeichnungen, die Hefter im Laufe ihrer Karriere erhalten hat, sind beeindruckend. Neben dem Deutschen Buchpreis erhielt sie auch den Lyrikpreis Meran und den Münchner Lyrikpreis. Ihr jüngstes Werk, „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“, das 2024 erschien und ein SPIEGEL-Bestseller wurde, thematisiert die komplexe Beziehung einer Schriftstellerin zu ihrem pflegebedürftigen Ehemann und einem Love-Scammer aus Nigeria. Hefter verbindet auf meisterhafte Weise postkoloniale Beziehungsmuster mit der Kunst- und Filmwelt.
Lesetermine und Ausblick
Für alle, die mehr über „Nach der Sonne schauen“ erfahren möchten, gibt es in den kommenden Wochen zahlreiche Lesetermine. Am 20. Oktober in Hamburg, am 26. Oktober in Nürnberg und in vielen weiteren Städten bis hin zu Leipzig am 3. Dezember. Wer also das Gefühl der Erneuerung und den Mut zur Veränderung erleben möchte, sollte sich einen Termin in seiner Stadt nicht entgehen lassen. Hefters Geschichten sind nicht nur literarische Werke, sie sind Einladungen, sich den eigenen Herausforderungen zu stellen und den Dialog mit der Kunst und der Welt um uns herum zu suchen.
Leipzig bleibt ein Ort der Inspiration und des kulturellen Austausches. Martina Hefter ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Kunst und Literatur uns helfen können, die Komplexität des Lebens zu verstehen und zu navigieren. Ihre Werke laden dazu ein, die eigene Perspektive zu hinterfragen und sich auf die Suche nach neuen Wegen zu begeben.
